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Brienz | 16. Oktober 2011
Generationenwechsel an der Spitze
Traditionsbetrieb Huggler Holzbildhauerei AG hat neuen Geschäftsführer
Seit dem 1. Mai 2011 leitet Markus Flück die Geschicke der Huggler Holzbildhauerei AG in Brienz. An einem Umtrunk wurde nicht nur Flück vorgestellt, sondern auch die Geschichte des Traditionsbetriebes sowie die Bedeutung der Holzbildhauerei im Schnitzlerdorf beleuchtet.
Ruedi Thomann (links) ging in den wohlverdienten Ruhestand und übergab die Geschicke der Firma per 1. Mai an Markus Flück.
Ein kleines Mädchen im Röckchen, geschnitzt aus Holz, sitzt auf der Bank vor dem Geschäft der Huggler Holzbildhauerei AG und begrüsst jahrein, jahraus die Gäste mit einem freundlichen Lächeln. Dieses Werk, welches inzwischen ein wenig verwittert aussieht, zeigt die Holzbildhauerkunst auf. Eine Kunst, die bei Huggler seit 111 Jahren zelebriert wird. Fast 25 Jahre leitete Ruedi Thomann die Geschicke der Firma, seit dem 1. Mai dieses Jahres obliegt die Verantwortung dem 30-jährigen Markus Flück, der bereits seine Ausbildung zum Holzbildhauer im Geschäft absolvierte und dem Betrieb seit vielen Jahren angehört. Während eines Apéros stellte er sich den Gästen vor und lobte seinen ehemaligen Chef als freundlichen, hilfsbereiten und unterstützenden Mann. «Schon während meiner Ausbildung hier im Betrieb konnte ich mich frei entwickeln. Ich durfte Offerten gestalten, Ausstellungen und Messen besuchen und während eines Auslandstudiums Kunst studieren.» Mit dem Abschluss der Handelsschule vor einem Jahr hätte er sich jetzt das restliche Rüstzeug geholt, welches ihn zum Geschäftsführer auszeichnet.
Zahlreiche Gäste kamen, um dem neuen Geschäftsführer zu gratulieren.
Die Krippenfiguren werden seit vielen Jahren hergestellt und erfreuen Familien von Japan bis Argentinien.
Mit Prothesen über Wasser gehalten
Ruedi Thomann zeigte den Gästen anhand eines Rückblicks die Geschichte der Traditionsfirma auf, über der sich manches Mal auch Schatten zeigten. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg entwarf Hans Huggler sowohl die Volks- und Charaktertypen der Region wie auch die ersten handgeschnitzten Krippenfiguren der Schweiz und legte damit einen Erfolgsgrundstein. «Noch heute profitiert die Firma von diesen Kreationen», unterstrich Ruedi Thomann. «Nachfolgende Generationen haben diese Figurengruppen mit weiteren Figuren ergänzt und neue entworfen.» Vor allem die beachtliche Kollektion der Krippensets erfreut Familien von Japan bis Argentinien, wie Thomann mit Stolz erklärte. «Daneben haben auch viele Auftragsarbeiten zum Erfolg der Unternehmung beigetragen, wie zum Beispiel die Miniaturen sämtlicher Schweizer Denkmäler, die Suworows Soldaten geweiht waren, und die im Suworow-Museum in St. Petersburg zu sehen sind, oder auch Moschee-Türen in Saudiarabien, die bei uns gefertigt wurden.» Als Renner bezeichnete Thomann die Büsten von bekannten Brienzer Persönlichkeiten, die vor allem von amerikanischen Touristen erworben werden. Beachtenswert sind auch die 28 Trachtenfiguren an der Fassade des Swiss National Tourist Office in London, die sowohl von der Huggler AG entworfen wie auch gefertigt wurden – vier davon in Lebensgrösse. Doch nicht immer leuchtete die Sonne über der Firma. Ein Tief waren die leeren Auftragsbücher im und nach dem Ersten Weltkrieg. «In dieser Zeit wurden als Überbrückung Prothesen für Kriegsverletzte hergestellt.» In Krisenzeiten wurden die Mitarbeiter oft vor neue Herausforderungen gestellt, die laut Ruedi Thomann immer gut gemeistert wurden. «Wichtig dabei waren Mut, Visionen, Durchhaltevermögen, Wille, Qualitätsarbeit und Glück. Gerade in unserer Branche, die Luxusprodukte herstellt, sind gute Ideen und deren kundengerechte Umsetzung entscheidende Erfolgsfaktoren.» Ruedi Thomann wünschte seinem Nachfolger Markus Flück und dem Team eine erfolgreiche Zukunft mit vielen guten Ideen.
Offen für neues
Auch Martin Stähli, Präsident der Stiftung zur Sammlung und Ausstellung Holzschnitzer Brienz, wünschte dem jungen Geschäftsführer alles Gute und freute sich, dass es die Holzschnitzerei auf die Schweizer Liste der lebendigen Traditionen aus dem Kanton Bern geschafft hat. Am Schluss zeigte Markus Flück einen kleinen Zukunftsausblick und unterstrich, dass zu den Produkten nicht nur Sorge getragen werden müsse, sondern auch die Qualität weiter gefördert werden muss. Unterstrichen wird dies durch den neuen Huggler-Stempel, der als Symbol der Tradition aber auch der Innovation und der Offenheit gegenüber dem Neuen in der Firma dient. Das traditionsreiche Geschäft in Brienz zeigt damit nicht nur ein Stück Schweizer Kultur, sondern öffnet sich auch Neuem. Dies zeigt unter anderem die junge Linie «Huggler Design», eine Linie, die eigene Werke von jungen Schnitzlern beinhaltet.
Flück übernimmt von Thomann
Führungswechsel bei der Huggler Holzbildhauerei AG
Nach 24 Jahren Geschäftsführung übergibt Rudolf Thomann, Inhaber der Huggler Holzbildhauerei AG, die Leitung des Betriebes in neue Hände: Markus Flück wird ab 1. Mai in der Firma als Geschäftsführer walten. Nach der Holzbildhauerlehre hat er sich auf verschiedenen Gebieten weitergebildet; so hat er unter anderem während eines USA-Aufenthalts vier Semester Kunst/Fotografie studiert. Kürzlich hat er mit Erfolg die berufsbegleitende Handelsschule abgeschlossen. Mit der modernen Linie Huggler Design hat Markus Flück eine erfolgreiche Ergänzung zu den traditionellen Schnitzereien geschaffen und zusammen mit breit gefächerten Kundenaufträgen wie Stamm-Figuren, Schnitzen an Events und ähnlichem die Vielfalt des Kunsthandwerkes weit herum verbreitet. Rudolf Thomann wird weiterhin als Verwaltungsratspräsident der Firma amten, daneben geniesst er seinen wohlverdienten Ruhestand.